Solidarität mit den bedrängten syrisch-orthodoxen Christen im und um das Kloster Mor Gabriel in der Türkei

In Verbundenheit mit der christlich-orthodoxen Glaubensfamilie und im Respekt vor der oft geprüften Treue unserer Geschwister zum Glauben an den menschenfreundlichen Gott Jesu Christi sind wir erschrocken über die neuen Angriffe auf eines der ältesten christlichen Klöster in der Türkei.

Wir sind Menschen aus verschiedenen Religionen und Weltanschauungen, die sich seit sechs Jahren regelmäßig am ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr zum Interreligiösen Friedensgebet auf dem Gendarmenmarkt in Berlin treffen.

Durch die frühen Zeugen der Christenheit im Mittleren Osten ist die weltweite Familie der Beter in allen Religionen inspiriert worden. Ihre gewachsenen Traditionen und standhaften Glaubenszeugen sind Teil weltweiter Suche nach dem Leben, das uns geschenkt ist. Die lebendige Spiritualität, ausgehend vom Kloster Mor Gabriel an der Nahtstelle von okzidentaler und orientaler Kultur, hat Einfluss genommen auf das Diaspora-Judentum und auf die Entstehung des Islam. Wir sehen den Einfluss auf Religionen, Kulturen und Gesellschaften in Afrika, Indien und China.

Wir vom Interreligiösen Friedensgebet Berlin sind empört über die anhaltende Zurückweisung der berechtigten Anliegen der syrisch-orthodoxen Christen. Wir sehen uns in einer gemeinsamen Geschichte. Wir kennen Verfolgungen und Beschädigungen von Kirchen, Kulturgütern, Gemeinden und die Ermordung von Menschen - als Opfer und Täter.

Die `Reichskirche` des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert und den von dort ausgehenden Kirchenspaltungen hat ihre Wiederholungen bis zu der `Staatskirche` des Deutschen Reiches zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ebenso ist noch im 21. Jahrhundert die Schuld am verschwiegenen und verdrängten Völkermord an den Armeniern nicht ausgesprochen.

Dieses Verhältnis zur Geschichte und unser Schweigen ist oft Beihilfe zum Nationalismus unter Türken und Fundamentalismus der Islamisten, die die Quellen der Weisheit und Inspiration der Andersdenkenden wiederholt ersticken.

Der Angriff gegen die orthodoxen Christen heute ist ein Handeln von Politikern, die geschichtsvergessen zwischen Kurden und türkischer Armee keine Konfliktlösungen haben. Auch die Europäische Union stellt sich nicht den andauernden Konflikten. Deutsche Politik war sogar Bündnispartner bei der Verfolgung der Armenier Anfang des 20. Jahrhunderts.

Religionen rufen zur Einsicht, Umkehr und Erneuerung. Sie setzen Wegmarkierungen für ein respektvolles Miteinander von Menschen unterschiedlicher Ansichten und Überzeugungen. Wir sind solidarisch mit den Christen in der Türkei und ihrem Kloster Mor Gabriel. Und wir hoffen auf das Zusammenwachsen aller Betenden und darüber auf die Einheit aller Menschen.

Interreligiöses Friedensgebet Berlin
20. Januar 2009

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