
SONNTAG, 4.12.2005 um 15.00 Uhr
Bei unserem letzten Gebet wurden die Gewaltausbrüche von Jugendlichen in den Pariser Banlieues angesprochen. Wir griffen dieses Thema in unserem vorbereitenden Gespräch auf das kommende Gebet auf. Die Verantwortung der älteren Generation für die jüngere Generation ist ein gemeinsamer Wert, der uns unter den verschiedenen Religionen verbindet. Was ist in einer Gesellschaft los, die den Notstand gegen ihre eigene Jugend erklären muss; sie von sich abspalten muss, indem sie sagt: "Mit denen haben wir nichts zu tun!" ?
Dabei sind die Hintergründe der Gewaltausbrüche nur zu gut verständlich: Die Fremdheitserfahrung von Jugendlichen in der mulitkulturellen Stadt, für die Werte und Traditionen aus den Elternhäusern brüchig und fragwürdig werden, die aber andererseits in der neuen Kultur der Gegenwart noch keine Heimat gefunden haben. Eine Gesellschaft, die ihnen täglich die Verführungen der modernen Kultur vor Augen stellt, ihnen aber keine Chance bietet, daran Teil zu haben, einen Platz in ihr einzunehmen.
Versuchen wir hinzuhören. Welche Stimme wird durch diese Taten der Verzweiflung hörbar? Warum wurden diese Stimmen nicht vernommen, als sie sich noch friedlicher äußerten? Können wir die Stimme Gottes darin erkennen? Sind wir jetzt bereit, besser hinzuhören und im Gang der "Normalität" innezuhalten?