
SONNTAG, 2.4.2006 um 15.00 Uhr
Auch in den reichen Ländern dieser Erde gehört Gewalt zu den unübersehbaren Erscheinungen des öffentlichen Lebens. Vom Dialog zwischen den Konfliktparteien ist oft die Rede. Findet er auch statt?
Nicht nur in Frankreich kommt es zu lautstarken Protesten, wenn Dialog über Jahre verweigert wird und nicht zustande kommt. Wir sprachen in der Vorbereitung über die Voraussetzungen eines echten Dialogs und welche Rolle die Religionen dabei spielen können.
Das Wichtigste ist sicherlich die Gleichrangigkeit der Dialogpartner. Wenn einer über dem anderen steht, ergibt sich kein Dialog. Dialog bedarf der Ernsthaftigkeit und Kontinuität. Er eignet sich nicht zum schnellen Vorweisen von Erfolgen für einen Wahlkampf. Er bedarf der Achtung des Dialogpartners und den Verzicht auf jegliches Überzeugenwollens. Die Vision des Dialogs ist es, dass ohne Zwang im gemeinsamen Geist etwas Neues entsteht, das vorher nicht da sein konnte, dass er fruchtbar sein kann.
Welche Rolle spielen die Religionen beim gesellschaftlichen Dialog? Zementieren sie Grenzen in dem Bestreben, ihre Traditionen und überlieferten Werte in den Mittelpunkt zu stellen oder gelingt es ihnen, im Vertrauen auf die gemeinsame Wurzel und Quelle ihrer Traditionen einen belebenden, verbindenden Dialog zu unterstützen, der die Herzen öffnet und praktische Lösungen zu finden hilft?
Im nächsten Friedensgebet finden wir uns wieder zusammen im freien Raum unter dem Himmel, der dem lebendigen Geist der Wandlung und Heiligung und des Dialogs einen Platz bietet.