
SONNTAG, 3.1.2010 um 15.00 Uhr
Landwirte und Verbraucher geraten weltweit in die Abhängigkeit weniger internationaler Konzerne. Bauernverbände in Europa, Asien und Südamerika rufen zum Widerstand gegen diese Monopolisierung auf. In der EU müssen sogar Bauern eine Gebühr an diese Konzerne zahlen, wenn sie ihr eigenes Saatgut verwenden.
Pflanzensamen werden von den Agrofirmen so verändert, dass das Saatgut nicht mehr vermehrungsfähig ist, sondern jeweils neu gekauft werden muss. Die Firmen privatisieren die uns geschenkten Ressourcen, indem sie ihr Saatgut patentieren lassen.
In Südamerika oder Asien angebaute Pflanzen wie Soja oder Baumwolle sind zusätzlich gentechnisch verändert. Man nennt es Terminator-Saatgut, weil es nicht mehr keimfähig ist. In riesigen Plantagen werden dort Futterpflanzen für die Hühner, Schweine und Rinder bei uns angebaut. Darüber tauchen die unerforschten Genmanipulierungen auch in unseren Lebensmitteln auf.
Darüber hinaus werden in Lateinamerika riesige Plantagen für den Export angelegt und viele Kleinbauern von ihren Äckern vertrieben. Die landwirtschaftlichen Flächen stehen für die eigene Versorgung mit Lebensmitteln nicht mehr zur Verfügung. Außerdem werden oft große Teile des Regenwaldes vernichtet. Ähnliches geschieht mit den Bauern in Kamerun, wo im Auftrag der Industrieländer Kokosöl für Biosprit angebaut wird.
Die Versklavung und Vertreibung von Kleinbauern nimmt weltweit zu. In Indien haben sich in den vergangenen zehn Jahren 200.000 von ihnen das Leben genommen, weil das nicht wieder verwendbare Saatgut durch die Patentierung teurer geworden ist und vermehrt Pestizide braucht. Schulden häuften sich an. Diese Entwicklung lässt Gefühle von Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Resignation in uns aufsteigen. Gleichzeitig bagatellisieren wir gern und schauen weg, indem wir scheinbar kostengünstig einkaufen.
Durch die Patentierung von Pflanzen, Tieren und menschlichen Genen wird das uns geschenkte Leben zur Handelsware.
Wie finden wir zurück zur Ehrfurcht vor dem Leben in seiner ganzen Vielfalt?
In allen Religionen verbindet uns die Freude am Geschenk des Lebens.